Schöner als mit einem Sieg kann man sich nicht aus einer Wettkampfsaison verabschieden, dachte sich BMC-Teamleader Moritz Milatz, als er im Sprint den MTB-Klassiker Roc d’Azur in Südfrankreich für sich entschied. Das Rennen entlang der Mittelmeerküste bei Frejus zählt im internationalen Rennkalender zu den ganz großen Veranstaltungen und der Sieg beim größten Bike-Festival Europas ist dementsprechend mit großem Prestige verbunden. Der 29-Jährige Freiburger Mountainbike Profi ist der erste Deutsche überhaupt, der dieses Cross-Country-Rennen gewinnen konnte. Rund 150 Meter vor dem Ziel zog Milatz den Sprint an und bezwang Marathon-Weltmeister Christoph Sauser (Specialized) aus der Schweiz, mit dem er lange an der Spitze gerungen hatte. Auf Rang drei landete überraschend der Belgier Sebastian Carabin (Petit Rechain). Komplettiert wurde das gute Abschneiden für das schweizerische BMC Racing Team zusätzlich durch Rang sieben von Teamkollege Alexandre Moos.
Keine Weltranglistenpunkte, dafür aber viel Prestige
“Ich habe gleich im Ziel gemerkt, was es bedeutet das Roc d’Azur zu gewinnen. So viele Mikrofone, Kameras und Aufmerksamkeit hatten wir als Team das ganze Jahr nicht”, so der amtierende Deutsche Meister. Leider gab es auf Drängen des Weltradsportverbands UCI wegen des vorolympischen Qualifikationsmodus in diesem Jahr keine wie sonst üblichen Weltranglistenpunkte der höchsten Kategorie HC, aber das von der Tour de France-Agentur ASO veranstaltete Rennen, zieht dennoch einen riesigen Medienrummel nach sich. 470 Fahrer aus allen Teilen Europas machten sich bei angenehmen und warmen Temperaturen an den Start. Der böige und stürmische Wind aus den Vortagen, beim dem einmal sogar aus Sicherheitsgründen das Veranstaltungsgelände evakuiert werden musste, hatte sich auf ein erträgliches Maß reduziert, sodass Athleten und Zuschauermassen nahezu ideale Bedingungen vorfanden.
Moritz Milatz kontrolliert das Rennen an der Spitze
Es dauerte knapp 15 Kilometer bis Moritz Milatz die Lage sondiert hatte und mit einer ersten Tempoverschärfung das Hauptfeld sprengte. Lediglich acht Fahrer blieben nach dieser Selektion über und diese Konstellation hatte dann bis etwa 15 Kilometer vor dem Ziel Bestand. Danach war es Marathon-Weltmeister Christoph Sauser aus der Schweiz, der bereits am Freitag das Rennen über die Marathondistanz gewonnen hatte, der mit einer Attacke an einem Schotteranstieg das Tempo anzog. Dieser Angriff aktivierte nochmals Moritz Milatz Kampfgeist und der Freiburger vergrößerte nun seinerseits den Druck auf die verliebenden acht Fahrer. Außer dem Belgier Sebastian Carabin konnte und wollte keiner mehr diesem Ausreißversuch folgen. “Es hat heute etwas gedauert bis ich ins Rennen gefunden habe, aber danach ging es am Berg erstaunlich gut. In den Abfahrten riskierte ich wenig um mir keinen Plattfuß einzuhandeln”, so der Freiburger in Diensten des schweizerischen BMC Racing Teams. Nochmals drei Kilometer später attackiert wiederum der Schweizer Sauser und holte sich damit einen Vorsprung heraus, den Moritz Milatz allerdings wieder zufahren konnte, während der Belgier Carabin abreißen lassen musste.
Milatz gewinnt den Sprint von der Spitze
Etwa sechs Kilometer vor dem Ende schien dem Schweizer dann jedoch die entscheidende Attacke gelungen zu sein: “In einem leicht ansteigenden Singletrail war plötzlich eine Lücke von zehn Sekunden zu Sauser entstanden. Nachdem ich jedoch heute soviel in dieses Rennen investiert hatte, wollte ich mich in meinem letzten Saisonrennen nicht kampflos geschlagen geben”, so Moritz Milatz. In einer kurzen Laufpassage am Strand holte der ehemalige erfolgreiche Crossläufer Milatz bereits einige Sekunden auf den Schweizer auf. Auf dem Weg in Richtung Ziel kam der Deutsche Meister dann wieder ran an das Hinterrad des Weltmeisters. “Ich habe die Zieleinfahrt nicht gekannt. Deshalb habe ich gewartet mit dem Antritt, bis ich Bescheid wusste”, beschreibt der Freiburger im Nachhinein seine erfolgreiche Schlussattacke und den Sieg. “Rund 150 Meter vor der Ziellinie habe ich mit allem was ich noch hatte angetreten und mich dabei nicht mehr umgeschaut und es hat prima geklappt.” Lachend fügt er noch hinzu: ” Jetzt bin ich aber wirklich froh dass diese lange anstrengende Saison zu Ende ist und ich das Rad für ein paar Wochen in den Keller stellen kann.” (Photos: Armin Küstenbrück – www.mtbfoto.de)
Michael Veit
www.moritz-milatz.de
Ergebnisse Herren Elite – Roc d’Azur 2011
1. MILATZ Moritz (GER) BMC Racing Team 02:23:36 Stunden
2. SAUSER Christoph (SUI) Specialized 02:23:36
3. CARABIN Sebastien (BEL) Petit Rechain 02:25:34
4. TIBERI Andrea (ITA) Team Torpado 02:27:22
5. LAKATA Alban (AUT) Topeak Ergon 02:27:40
6. PLATT Karl (GER) Team Bulls 02:28:37
7. MOOS Alexandre (SUI) BMC Racing Team 02:28:37
8. TRAYTER Marc (ESP) 02:28:38
9. STANDER Burry (RSA) Specialized 02:28:39
10. FLUECKIGER Lukas (SUI) Trek World Racing 02:29:53
11. FUMIC Manuel (GER) Cannondale Factory 02:29:53
12. BUCHLI Lukas (SUI) BiXS 02:29:54
13. FONTANA Marco (ITA) Cannondale Factory 02:29:57
14. FLUECKIGER Mathias (SUI) Trek World Racing 02:30:06
15. MAROTTE Maxime (FRA) BH SrSuntour 02:31:36
16. LAMASTRA Guiseppe (ITA) Hard Rock 02:32:58
17. SCHURTER Nino (SUI) Scott Swisspower 02:32:59
18. VOGEL Florian (SUI) Scott Swisspower 02:34:35
19. TARAMARCAZ Julien (SUI) BMC Racing Team 02:35:07
20. ZOLI Yader (ITA) GS Torpado Surfing 02:35:08
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25. WEBER Balz (SUI) BMC Racing Team 02:36:54
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41. GALLATI Patrik (SUI) BMC Racing Team 02:45:00
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46. KÄSS Jochen (GER) Multivan Merida 02:46:15
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49. BÖHME Tim (GER) Team Bulls 02:46:38
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