Stefan Kirchmair im Interview: Ötztaler Gewinner 2011 vom Team Tyrol

Der Ötztaler Radmarathon 2011 ist bereits Geschichte doch viele Starter werden noch über diesen Event nachdenken. Uns ist es jetzt gelungen den Sieger des Marathons zu interviewen. Stefan Kichmair ist es gelungen und rund 7 Stunden den Ötztaler zu gewinnen und das bei seiner erst zweiten Teilnahme. Aktuell fährt er im Team Tyrol und hat uns folgenden Fragen beantwortet.Herr Kirchmair, Radsport ist sicherlich schon einige Jahre ein großer Bestandteil in Ihrem Leben. Könnten Sie etwas dazu sagen, wie sie zum Radsport gekommen sind und warum es Ihnen bis heute noch großen Spaß macht Rennen zu fahren?

 Ich kam über Erzählungen vom Ötztaler zum Radfahren, hab mir ein Rennrad gekauft und war 2005 einer der jüngsten Starter (16) Das gute Abschneiden hat mich dann endgültig zum Radfahren bewegt, im Jahr darauf war ich bereits 3. bei der Österreichischen Meisterschaft (Junioren) So ging alles seinen Weg, ich entwickelte mich von Jahr zu Jahr weiter, hab wichtige Erfahrung gesammelt und auch bereits international gute Ergebnisse eingefahren.

 

Sie gelten im Team Radland Tyrol als der Joker. Wie ist es denn zu diesem Spitznamen gekommen?

 Nicht zuletzt durch den späten Einstieg in den Radsport fand ich mich bei meinen Teams oft in der Rolle des Helfers wieder, doch sobald mir die Chance geboten wurde, auf eigene Rechnung zu fahren, hab ich diese genützt und dabei viele Erfolge für mich und meine Teams verbuchen können. Deshalb der Spitzname

 

Noch eine Frage zu Ihrem aktuellen Team und den Stationen zuvor. Vielleicht sagen Sie etwas über die Arbeit im Team und Ihre Zukunft dort. Wird es auch 2012 einen Herr Kirchmair im Team geben?

Nach einem Jahr in der Junioren-Klasse war ich ein Jahr bei der Niederösterreich Radunion. Dann wurde das Tyrol Team (Continental) gegründet und ich wechselte zurück in die Heimat.

Seit dem hat sich im Team viel verändert, alles ist professioneller geworden, die Fahrer, die Betreuer, der Rennkalender,… Diesen Weg wird das Team weiter gehen, hoffentlich auch irgendwann als Pro Continental Team – (die nächst höhere Ebene im Radsport) Aber dazu fehlen momentan einfach noch die finanziellen Mittel. Es würde mich freuen, wenn die großen Pläne unseres Teamchefs auch Realität werden würden und das Tyrol Team eines Tages beim Giro d´Italia am Start stehen würde.

 

Natürlich darf die Frage nach den Zielen in der Zukunft nicht fehlen. Haben Sie vor in den Profistatus zu wechseln und wenn ja gibt es dafür schon Angebote?

Ja, eine „Laufbahn“ als Profi ist definitiv mein Ziel. Mit spitzer Zunge könnte man sagen, dass ich schon Profi bin – zumindest was den Trainingsaufwand angeht nur finanziell ist eben auf diesem Niveau noch nicht von Professionalität zu sprechen. Deshalb mache ich gerade die Ausbildung als Polizist, dort habe ich gute Rahmenbedingungen und ein fixes Einkommen – aber trotzdem ist es ein 40 Stunden Job.

 In den Profistatus zu „wechseln“ ist nicht so leicht wie sich das in ihrer Frage anhört. Man braucht gute Ergebnisse, um überhaupt eine Chance zu haben. Und es kommt gewiss nur in den seltensten Fällen vor, dass man Angebote bekommt. Viel eher muss man sich selbst bemühen, gute Kontakte und ein wenig Glück haben. Ich glaube, dass ich inzwischen das Zeug dazu hätte, den Sprung in ein Profi-Team zu wagen, die Bemühungen in diese Richtung laufen jedenfalls und vielleicht hilft mir ja die gute Presse vom Ötztaler dabei.

Kommen wir nun zu Ihrem aktuellen Erfolg den ersten Platz und damit Sieg beim Ötztaler Radmarathon 2011. Könnten Sie unseren Lesern ein paar Worte über Rennen, Ablauf und vor allem das Gefühl am Ende ganz Oben zu stehen sagen.

 Das Rennen war bis Sterzing eigentlich sehr langsam. Ich bleib bei den Favoriten und war eigentlich überrascht, dass ich am Jaufenpass mit den schnellsten relativ problemlos mithalten konnte. Direkt am Pass hab ich mich etwas abgesetzt, um mir bei meinem Betreuer eine Flasche zu holen und fuhr in die Abfahrt. Ich wusste, dass ich sicher der beste Abfahrer der 8 Mann Gruppe war und so konnte ich bis St. Leonhard ca. 2 Minuten herausholen. Ich rechnete damit, dass mich die Topfavoriten Götsch und Corradini später wieder einholen würden, deshalb suchte ich einen konstanten Rhythmus um später noch Reserven zu haben. Doch in Moos hatte ich plötzlich 3 Minuten Vorsprung und witterte meine Chance, vielleicht doch nicht mehr eingeholt zu werden. Ich setzte alles auf eine Karte und flog förmlich an den Resten der Ausreißergruppe vorbei. Knapp vor dem Gipfel hatte ich bereits über 5 Minuten Vorsprung, doch ich konnte auch mein hohes Tempo nicht ganz durchhalten. Wie erwartet gab es dann starken Gegenwind in der Abfahrt, doch mit dem Sieg vor Augen war das kein Problem mehr.

Als ich die Ortstafel von Sölden passierte verspürte ich ein extremen „Kick“ – das Adrenalin schoss durch meinen Körper – Ich hatte es geschafft! Die Zieleinfahrt war ein unheimliches geiles Gefühl – allerdings musste ich wirklich aufpassen, denn ich war so am Ende meiner Kräfte, dass jede Muskelfaser zu verkrampfen drohte. Als ich beim Interview stand, merkte ich, dass es wohl keinen Kilometer weiter ins Ziel sein hätte dürfen.

 

Für viele Jedermänner ist der Ötztaler eine Art Mythos und es gibt Jahr für Jahr tausend Bewerber die leider ohne Startplatz auskommen. Wie oft sind sie schon dabei gewesen und was ist für sie das besondere im Vergleich zu anderen Rennen?

 Es war mein 2. Start beim Ötztaler. Normalerweise hat eine Veranstaltung wie der Ötztaler keinen Platz im Rennkalender eines „Nachwuchsprofi“. Zu dicht ist das Rennprogramm und zu extrem der Marathon an sich. Wenn man beim Ötztaler gut abschneiden will, muss man sich einfach gezielt auf das Rennen vorbereiten und alles andere unterordnen. Der Start war nur möglich, weil leider zahlreiche internationale Rundfahren, wie etwa die Sachsen Tour, abgesagt wurden und ich so genug Zeit für eine gute Vorbereitung hatte. Ich denke, den Ötztaler kann man nicht mit einem Profi Rennen vergleichen. Für die meisten geht es rein darum, dabei zu sein und die Strecke (in der „Zielzeit“) zu bezwingen. Nur eine Hand voll Fahrer fahren um den Sieg.

 

Gibt es schon Pläne für die Saison 2012. Wo wollen Sie dort überall an den Start gehen?

 2012 möchte ich gerne ein stärkeres Frühjahr haben als dieses Jahr. Die Umstellung in der Polizeischule war anfangs nicht leicht und hat viel Substanz gekostet, die mir bei den Rennen gefehlt hat. Das wichtigste Rennen wird sicher die Österreich-Rundfahrt sein, für die ich mir viel vorgenommen habe. Nach dem 3. Platz in der Nachwuchswertung und Platz 18 Gesamt möchte ich 2012 unter die Top Ten der Gesamtwertung fahren. Auch die Nachwuchswertung ist ein Thema, erledigt sich aber ohnehin von selbst.

 

Abschließend noch einen Frage zu ihrem Privatleben. Sie sind an der Polizeischule, wenn uns nicht alles täuscht. Dort wird sicherlich der Radsport auch einen großen Teil der Zeit einnehmen. Bleibt überhaupt für Freizeit noch etwas übrig? Viele Hobbysportler interessiert wie viel Zeit mit Training verbracht wird?

 Naja, viel Zeit bleibt wirklich nicht. Oft fahre ich sogar mit dem Rad in die Schule, um danach sofort trainieren zu können. Meist dauert das Training ohnehin bis in die Dunkelheit. Mein Trainingsumfang liegt je nach Trainingsperiode zwischen 20-25 Stunden brutto pro Woche – wenn mehr Zeit ist auch mal 30 Stunden.

 

Vielen Dank Herr Kirchmair für die Beantwortung der vielen Fragen und vor allem für die ehrlichen Worte. Wir wünschen Ihnen für ihre weitere Laufbahn alles Gute und vor allem den Sprung in den Profi Status. Lassen Sie mal wieder etwas von sich hören. Bilder von Zangrando

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